2. Wirksamere Alternativen zur Verkehrsreduzierung
In Limburg werden die EU-Grenzwerte für NO₂ seit 2021 an keiner Messstelle mehr überschritten – die Luftqualität hat sich verbessert und liegt regelmäßig unter den zulässigen Werten.
Verkehrsprognosen zeigen bis 2040 einen deutlichen Rückgang der Luftschadstoffe – auch ohne Südumgehung.
Die Lärmentlastung der Diezer Straße wäre mit ca. 3 dB kaum wahrnehmbar, während andere Stadtteile mit bis zu 7 dB stärker belastet würden.
Durch neue Mobilitäts- und Umweltmaßnahmen (z. B. E-Mobilität, Verkehrswende-Maßnahmen) werden Schadstoffe und Lärm auch ohne neue Straße weiter sinken.
Ein langer Tunnel (z. B. 2 km), der eine echte Umfahrung ermöglichen soll, wurde bisher nicht im Bundesverkehrswegeplan untersucht. Somit gibt es dafür weder verlässliche Verkehrsgutachten noch eine Kosten-Nutzen-Analyse.
Kosten für Tunnelunterhalt, Enteignungen und Ausgleichsmaßnahmen sind bislang nicht verlässlich beziffert.
Frühere Kostenschätzungen (z. B. 67 Mio. € aus 2012) dürften heute deutlich zu niedrig liegen, speziell bei längeren Tunnellösungen, die über 250 Mio. € erreichen können.
Die Kosten-Nutzen-Relation erscheint vor diesem Hintergrund nicht gerechtfertigt.
Aktuelle Starkregenkarten der Stadt Limburg zeigen entlang der Trasse mehrere kritische Bereiche. Wie ein „Absaufen“ des Tunnels verhindert werden soll, ist bislang ungeklärt.
Selbst bei politischer Zustimmung wäre mit einer Realisierungsdauer von Jahrzehnten zu rechnen, so dass das Projekt keine kurzfristige Lösung für bestehende Verkehrsprobleme bietet.
Die Trasse zerstört wichtige Grün- und Erholungsflächen wie den Eduard-Horn-Park und das Gebiet „Paradies“, die als Kaltluftschneisen für die Innenstadt dienen.
Der Wegfall dieser Flächen verschärft die Hitzebelastung in der Innenstadt und beeinträchtigt die Lebensqualität. Messungen zeigen, dass die Temperaturen im Eduard-Horn-Park im Sommer 3–6 °C niedriger liegen als im Umfeld. Der Wegfall dieser Kaltluftzufuhr kann die Innenstadt deutlich aufheizen und gesundheitliche Risiken erhöhen
Umfangreiche Flächenversiegelung widerspricht den Zielen der Klimaneutralität und der Vorgabe „Netto-Null-Flächenverbrauch bis 2050“ (z. B. EU-Green Deal, UN-Zielen).
Aufforstungen benötigen mehrere Jahrzehnte, um die ökologischen Schäden auszugleichen.
Wohngebiete sowie Schulen könnten durch zusätzlichen Verkehr und Lärm stärker belastet werden als bisher.
Statt einer neuen Straßenvariante werden aus Sicht der Gegner verkehrslenkende und umweltfreundliche Maßnahmen vorgeschlagen – z. B. Ausbau des ÖPNV, intelligente Verkehrssteuerung, Förderung der Schiene bzw. Verlagerung des Güterverkehrs auf bestehende Trassen.
Die Gegner der Südumgehung auf der Alttrasse argumentieren, dass das Projekt sowohl in verkehrlicher, ökologischer als auch wirtschaftlicher Hinsicht keine nachhaltige Lösung für Limburger Verkehrsprobleme bietet, aktuell wenig entlastende Wirkung hätte, hohe Kosten verursacht und die Umwelt erheblich beeinträchtigt.